Ein nachhaltiger World Usability Day 2016

World Usability Day 2016Auch heuer war der zweite Donnerstag im November wieder zum „World Usability Day“ ausgerufen mit rund 140 Events in 40 Ländern, davon etwa 20 Veranstaltungen in Deutschland. Wie bereits im Vorjahr fand der Münchner Event im „Werk 1“ in der Kultfabrik am Ostbahnhof statt. Rund 150 Usability-Designer und Tester nahmen an der vom „German UPA“ organisierten Veranstaltung teil, die in diesem Jahr unter dem weltweiten Motto „Sustainable UX“ stand.

Usability und Nachhaltigkeit (???)

Rainer Monschein von optimizing experts näherte sich dem Begriff „Sustainability“ (zu Deutsch „Nachhaltigkeit“) mit den Mitteln eines Suchmaschinenoptimierers. Seine Fragestellung: Nach welchen Begriffen wird im Internet in Kombination mit „nachhaltig“ gesucht? „Nachhaltig“ in Kombination mit einem Produkt oder einer Dienstleistung taucht dabei in Suchen so selten auf, dass sich für die Anbieter von Webseiten eine diesbezügliche Optimierung kaum lohnt. Aus dem Blickwinkel der Internetsuche scheint „Nachhaltigkeit“ eher ein Mysterium darzustellen…

Sebastian Pietta von designaffairs beschäftigt sich mit Bedien- und Anzeigekonzepten in Autos und konnte von konkreten Ansätzen berichten, wie Fahrer zu einem energieeffizienten Fahrstil angeregt werden können. Belehrende Anzeigen wie „Fenster schließen“ führen eher zu einer ablehnenden Haltung, so dass Automobilhersteller inzwischen davon abrücken. Viel besser lassen sich Fahrer beispielsweise durch die Darstellung eines errechneten „Eco Scores“ zu einer Optimierung ihres Fahrstils locken. Bei Elektroautos können Technologien wie die Energierückgewinnung beim Bremsen in Kombination mit einem energieeffizienten Fahrstil zu einer beträchtlichen Reichweitenerhöhung führen. Die künftige Herausforderung beim Design der Benutzeroberflächen von Fahrzeugen sieht Pietta darin, den „Spaßtrieb des Fahrers“ (Stichwort „Gamification“) zu reizen und auf diesem Weg einen energieeffizienten Fahrstil einzuüben.

Joachim von Maltzan von Ray Sono stellte in seinem Beitrag „Bessere Produkte für eine bessere Welt“ die Frage, was ein UX-Designer überhaupt beitragen kann. Ausgehend von den Vorhersagen des „Club of Rome“ in den 1970er Jahren leitete der Vortragende auf verschiedene Dimensionen der Nachhaltigkeit über. Für den Bereich der ökologischen Nachhaltigkeit benannte er ein sehr konkretes Beispiel: Rechenzentren bzw. Server in Deutschland verbrauchen zusammen die von einem AKW erzeugte Leistung. Über kleine Maßnahmen an der Benutzeroberfläche (Reduzierung der Anzahl von „Pings“, Einführung für den Benutzer unmerklicher Verzögerungen) ließe sich 50% der benötigten Rechenleistung und damit der benötigten Energie einsparen. Von Maltzan rückt den UX-Designer, der solche Maßnahmen berücksichtigt, sogar in eine Rolle eines „Anwalts für Nachhaltigkeit“.

Was nehme ich vom diesjährigen World Usability Day mit?

Ehrlich gesagt: Noch wenig Konkretes. Auch aus der Diskussion im anschließenden Workshop bekam ich den Eindruck, dass die anwesenden UX-Experten mit dem Begriff der Nachhaltigkeit noch „fremdeln“, und zumindest derzeit noch sehr wenige Querbeziehungen zu finden sind. Mir selbst geht es auch nicht anders. Die Organisatoren des World Usability Days haben in diesem Jahr jedoch eine zumindest unerwartete Überschrift für die weltweit stattfindenden Events gefunden, die zum weiteren Nachdenken anregt.

P.S.:

Warum schreibe ich hier im „Testing Blog“ über den World Usability Day? Weil der „WUD“ auch ein interessantes Event für Usability Tester ist und ansonsten für Alle, die in Sachen Benutzerfreundlichkeit über den Tellerrand hinausschauen wollen. Merken Sie sich den WUD-Termin fürs nächste Jahr vor, und zwar am 9. November 2017…übrigens nicht nur in München.

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