Bessere Orientierung dank Selbstbeschreibungsfähigkeit

Karte, Fernglas und KompassVor langer Zeit orientieren sich die Menschen mit Landkarten, Kompass oder an den Sternen. Heute helfen uns Navigationssysteme und Handy Apps in der realen Welt bei der Bestimmung unseres Standortes und der Suche nach dem besten Weg zum Ziel. Mit ihrer Hilfe kann man jederzeit die Fragen „Wo bin ich?“; „Wie komme ich ans Ziel?“ und oft auch „Was liegt in der Nähe?“ beantworten.

Doch wie beantwortet man diese Fragen in der virtuellen Welt von Softwareanwendungen oder Webportalen? Kann der Anwender auch dort jederzeit seinen Standort bestimmen und den für sich optimalen Weg zur Erreichung seines Ziels erkennen?

Die ISO nennt es „Selbstbeschreibungsfähigkeit“ wenn Dialoge den Anwender bei der Orientierung helfen. Doch was genau verbirgt sich dahinter?

Die Norm

In der DIN EN ISO 9241:110 steht: Ein Dialog ist in dem Maße selbstbeschreibungsfähig, in dem für den Benutzer zu jeder Zeit offensichtlich ist, in welchem Dialog, an welcher Stelle er sich befindet, welche Handlungen unternommen werden können und wie diese ausgeführt werden können.“

Was ist damit gemeint?

Der Anwender soll also jederzeit wissen, wo er sich gerade befindet und welche Aktionen er dort zu welchem Zweck wie ausführen kann. Bei Bedarf soll er unterstützende Hilfe bekommen.

Folgende Punkte helfen, ein Softwareprogramm oder einen Internetauftritt selbstbeschreibungsfähig zu machen:

  • Orientierungshilfen geben dem Anwender die Information über seinen Standort und wie weit er von seinem Ziel entfernt ist (sie kann zum Beispiel durch Orientierungspunkte wie Brotkrümelnavigation erreicht werden)
  • Navigationselemente, die durch ihre Gestaltung als solche wahrgenommen werden und deren Ziel erkennbar ist ermöglichen die Beherrschbarkeit des Systems (zum Beispiel wenn Links den Namen ihres Ziels widerspiegeln und auf einheitliche Art und Weise in einem Text farblich markiert und unterstrichen sind)
  • Rückmeldungen zu wichtigen Teilergebnissen und Rückfragen bei bestimmenden Entscheidungen geben dem Anwender ein Gefühl von Sicherheit
  • Hilfen sollten überall auf Abruf zur Verfügung stehen z.B. durch Hilfe Buttons, bzw. Drücken von F1 oder sie werden direkt angezeigt (zum Beispiel sollte die Eingabesyntax eines Datums vorgegeben werden, da es viele unterschiedliche Möglichkeiten der Eingabe gibt wie 24.12.2015, 12/24/15 oder auch 24. Dezember 2015)

Wann genau ist Software selbstbeschreibungsfähig?

Selbstbeschreibungsfähigkeit gilt in einem Softwareprogramm oder Internetauftritt als vorhanden, wenn man u.a. folgende Fragen mit ja beantworten kann:

  • Wissen sie jederzeit wo, d.h. in welchem Menüpunkt sie sich gerade befinden?
  • Sind die Informationen auf dem Bildschirm übersichtlich und verständlich dargestellt?
  • Sind alle Buttonbeschriftungen und Links verständlich und einheitlich aufgebaut?
  • Wissen Sie welche Eingaben / Aktionen sie gerade machen können und welche als nächstes von ihnen auf dem Weg zu ihrem Ziel erwartet werden?
  • Werden Sie in angemessenem Umfang  über Erfolg, bzw. Misserfolg der ausgeführten Aktion informiert?
  • Bekommen Sie entsprechende Informationen wenn eine Aktion länger dauert?
  • Müssen sie Aktionen, die nicht mehr rückgängig gemacht werden können explizit bestätigen?
  • Sind alle angezeigten Meldungen, also auch Fehlermeldungen, verständlich, sachlich, konstruktiv und einheitlich aufgebaut?
  • Ist eine Hilfefunktion vorhanden und leistet diese auch wirkliche Hilfe?

Wie und warum sollte man Selbstbeschreibungsfähigkeit von Software überprüfen?

Style Guides und Entwicklungsrichtlinien helfen den Entwicklern bereits während der Entwicklungsphase bei einer einheitlichen Umsetzung der Systemanforderungen. Darüber hinaus können Experten im Zuge eines Usability Tests neben den anderen Grundsätzen zur Dialoggestaltung aus der DIN EN ISO 9241:110 auch die Selbstbeschreibungsfähigkeit untersuchen.

Fazit

Selbstbeschreibungsfähigkeit ist ein wichtiger Bestandteil der Softwareergonomie. Das Ziel sollte sein das Produkt so zu gestalten dass sich der Anwender sofort „zu Hause“ fühlt, d.h. dass er sich jederzeit orientieren kann und sich nicht verloren vorkommt. Rückmeldungen und Abfragen bei kritischen Aktionen sollen ihm darüber hinaus ein zusätzliches Gefühl von Sicherheit geben. Bei Bedarf muss eine Hilfe verfügbar sein. Nur wenn sich der Anwender wohl fühlt, wird er das Produkt auch gerne benutzen und weiterempfehlen. Auf diese Weise erweitert sich der Kundenstamm für den Hersteller und den Betreiber von ganz alleine, was sich wiederum positiv auf die Verkaufszahlen auswirkt.

 

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