Zur Steigerung der Produktivität im Test

Wie_mehr_TestproduktivitätJoachim Raabe-Heitmann ist Senior Process Consultant bei brightONE und berät Kunden, wie sie ihre Produktivität im Test steigern können. Zu seinen Aufgaben gehören auch die Durchführung von Testprozess-Assessments im Auftrag von Kunden und die Erarbeitung maßgeschneiderter Verbesserungsprogramme.

Im nachfolgenden Interview gibt Joachim einen Einblick in seine Vorgehensweise.

Georg Einfalt: Joachim, schilderst Du bitte zunächst Deinen beruflichen Werdegang?

Joachim Raabe-Heitmann: Ich bin ausgebildeter Mathematiklehrer für die gymnasiale Oberstufe, habe aber einen Berufspfad in der freien Wirtschaft eingeschlagen. Ich startete meine berufliche Karriere bei einem Hersteller von Telekommunikationssystemen in einem Team, das Produktlebenszyklen durch Konfigurations- und Fehlermanagement-Prozesse unterstützte. Damit arbeitete ich lange Jahre im Spannungsfeld zwischen Entwicklung, Test und Service bzw. Kunden. Meine ersten eigenen Testerfahrungen sammelte ich mit dem Test von Tools, die verschiedene Produkte und Prozessvarianten in dem erwähnten Spannungsfeld unterstützten. Vor einigen Jahren wechselte ich dann in den Bereich der Testprozessanalyse und -optimierung als Berater für unsere Kunden.

Georg: In welchen Situationen würde sich die Durchführung eines Testprozess-Assessments anbieten?

Joachim Raabe-Heitmann

Joachim: Der hauptsächliche Beweggrund wenn Kunden nach einer Testprozessanalyse nachfragen ist, dass Projekte im Bereich Kosten, Zeit oder Qualität aus dem Ruder laufen. Für Projekt- oder Produktverantwortliche gibt es einige typische Indikatoren: Die Anzahl der Anwender-Fehlermeldungen einer bereits getesteten Lösung steigt übermäßig an, die Kosten für das Testen sind deutlich höher als geplant, oder aber die Zeit läuft infolge unerwarteter Bugfix-Zyklen und Tests davon. Wenn der Kunde an diesen Stellen Schmerz verspürt, dann macht es Sinn, dass Jemand von außen unbefangen auf den Testprozess schaut.

Georg: Was erwartet einen Kunden in einem Testprozess-Assessment?

Joachim: Zunächst müssen wir erfahren, was unser Kunde beim Testen eigentlich macht. Da gibt es zwei hauptsächliche Quellen: Zum einen sichten wir Dokumente, also Testpläne, Dokumentation von Testergebnissen, Metriken und ähnliche Dinge. Im Hauptteil führen wir Interviews mit den unterschiedlichen Ausführenden im Test, aber auch mit Stakeholdern wie Projektleitern und Product-Ownern. Diese Interviews basieren auf einem Katalog von Leitfragen, um Vergleichbarkeit und eine Art Benchmarking zu ermöglichen. Der Fragenkatalog dient uns aber auch als Absicherung, um eine Vollständigkeit der Ergebnisse zu erhalten.

Georg: Du hast, wie anfangs erwähnt, eine Ausbildung als Pädagoge. Hilft Dir diese in den Gesprächen mit den Prozessbeteiligten?

Joachim: Da muss man aufpassen: Die Situation zwischen Lehrer und Schülern in der Schule und Berater und Prozessbeteiligten bei Kunden ist grundsätzlich eine andere. Trotzdem helfen manchmal pädagogische Elemente. Einer meine Ausbilder sagte immer wieder: „Man muss Schüler dort abholen, wo sie sind, und herausfinden, was sie an Möglichkeiten zur Verfügung haben.“ In einer Testprozess-Analyse stellt man oft fest, dass der Kunde alles Nötige schon in seiner Schublade hat, er braucht nur Unterstützung, es richtig anzuwenden. Das kann man mit einer „ur-pädagogischen“ Methode herausfinden, nämlich auf Bekanntes aus einem anderen Blickwinkel zu schauen, um danach daraus gemeinsam Lösungen zu entwickeln.

Georg: Was nimmt der Kunde schließlich mit?

Joachim: Unser Kunde bekommt zunächst eine Liste von Beobachtungen zu seinem Testprozess, positiven wie auch negativen. Dann erhält der Kunde eine Reihe von Vorschlägen zur Verbesserung. Und außerdem erhält der Kunde eine Art normierten Reifegrad, der ihm eine aktuelle Positionierung seines Testprozesses erlaubt. Als Option schauen wir uns auch das Verbesserungspotential unter ökonomischer Sicht an, d.h. welchen Nutzen die Vorschläge in Form der Differenz zwischen Einsparung und Kosten einbringen können.

Georg: Wie kann es nach einem Testprozess Assessment weitergehen?

Joachim: Wir beschreiben unsere Empfehlungen neutral, d.h. unser Kunde kann die Vorschläge entweder selbst oder auch mit externer Unterstützung umsetzen. Wir machen auch einen „Vorschlag zum Umgang mit den Vorschlägen“, d.h. wir empfehlen eine Priorisierung. Wenn wir den Kunden bei der Umsetzung unterstützen dürfen, dann lassen wir uns natürlich am Ende auch bewerten, inwieweit unsere Prognosen zutreffend waren.

Georg: Joachim, danke für dieses Interview!

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