World Usability Day 2015 in der Kultfabrik

World Usability Day in der Kultfabrik MünchenJährlich am zweiten Donnerstag im November wird der „World Usability Day“ begangen, heuer am 12.11. Das Hauptthema in diesem Jahr, das sich mehr oder weniger durch alle Events zog, lautete „Innovation“. Auf http://www.worldusabilityday.org finden sich Links zu 91 Events in 31 Ländern.

brightONE sponserte in diesem Jahr den Event in München, der von der German UPA e.V., einem Zusammenschluss von Usability-Experten organisiert wurde. Veranstaltungsort war das Werk 1 der Kultfabrik auf dem früheren Pfanni-Gelände am Münchner Ostbahnhof. Das nebenstehende Bild zeigt die Weltkugel am Eingang. Die Location ist bei Nachtschwärmern als Konzert-, Party- und Eventarena bekannt, eignet sich aber durch das Flair einer alten Fabrik auch sehr gut für solche Veranstaltungen mit Workshopcharakter.

Einstieg

Die Vortragsreihe startete mit einer Keynote, die von Dr. Michael Bartl, CEO der HYVE AG, zum Thema „Die ‚neue Offenheit‘ – der Wandel von Innovationsmodellen im digitalen Zeitalter“, gehalten wurde. Mit Usability hatte der Vortrag eher am Rande zu tun. Auf jeden Fall war die Präsentation ein guter Startpunkt der Veranstaltung, hielt der Vortragende doch ein leidenschaftliches Plädoyer, weshalb Firmen unter dem Stichwort der „Open Innovation“ ihre Kunden und Anwender in den Innovationsprozess einbinden müssen, um künftig erfolgreich sein zu können. Bei den Teilnehmern der Veranstaltung lief der Referent sicherlich offene Türen ein, da Usability Experten in der Regel bereits am Puls der Anwender arbeiten. Mit der gebotenen Vogelperspektive war die Keynote das Highlight und ein gelungener Auftakt der Veranstaltung.

Zur Sache

Henning Brau und Mirco Winde, UX-Designer von BSH, berichteten vom Entstehen einer universellen App für die Steuerung vernetzter Haushaltsgeräte. Der Vortrag baute einen schönen Spannungsbogen auf und endete schließlich mit der Erfolgsmeldung, dass die entwickelte App in diesem Jahr den „Red Dot Award for Communication Design“ gewinnen konnte. Mein persönlicher Lerneffekt als Hobbykoch: Ein moderner Kühlschrank hat zwei Kameras, die beim Schließen der Türe jeweils eine Aufnahme machen. Stehe ich im Supermarkt und bin ich mir unsicher über den Stand der Küchenvorräte, dann kann ich mir schnell mal per App die letzte Aufnahme des heimischen Kühlschranks und der Kühlschranktüre anschauen.

Der Vortrag von Josef Jaud beschrieb die Herausforderungen im Bereich des Designs von Benutzeroberflächen für Maschinen und Geräte im Produktionsumfeld. Oft stehen in diesem Bereich nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten für die Gestaltung der Bedienoberfläche zur Verfügung. Nicht selten werden solche Systeme von Ingenieuren ohne ausgewiesenen UX-Background konzipiert. Anhand einiger Beispiele wurde plastisch gezeigt, wie trotz eingeschränkter Displaygrößen und geringer Prozessorpower eine gute Benutzerführung realisierbar oder auch nachrüstbar ist.

Wolfram Nagel stellte ein Baukastenprinzip für Content Design und UI Architektur in Multiscreenprojekten vor, in denen die Darstellung eines digitalen Inhalts auf unterschiedlichen Geräten und Ausgabekanälen, wie PC, Smartphone sowie Smartwatch zu realisieren ist. Nagel empfiehlt eine Strukturierung in fünf Schichten. Dies erinnerte mich als Nachrichtentechniker spontan an das Modell der sieben OSI Layers zur Strukturierung von Kommunikation, auf dessen Basis viele Protokollstacks verfügbar sind und nicht immer wieder neu realisiert werden müssen. Nagels Strukturierung hätte wohl das Potential, durch Wiederverwendung von Elementen auch Aufwände in Design und Realisierung von Webportalen zu senken. Die Vorgehensweise ist im Übrigen auch in einem vom Referenten mitverfassten Buch nachzulesen.

Eigentlich hätte der Vortrag von Lisa Daske zu den „Top 10 Fehlern bei der UI-Spezifikation“ der Endpunkt der Vortragsreihe sein sollen. Diese Hitparade von „worst practices“ war amüsant dargestellt und für mich der Entertain-mäßige Höhepunkt der Veranstaltung.

Zugabe

Schließlich gab es aber noch eine Zugabe, da ein Programmpunkt aus den parallel laufenden Workshops kurzfristig auf die große Vortragsbühne verschoben wurde. Katharina Frison und Johannes Huber berichteten vom „UX Lab 2.0“, das im Rahmen einer Abschlussarbeit an der LMU München entstanden ist. Darunter verbirgt sich eine App mit nachgelagerten Auswertungsroutinen, über die Feedback zum Umgang mit Benutzerinterfaces über das Netz von Anwendern eingeholt werden kann. Hier kommen letztendlich Ansätze des Crowdtestings für die UX-Bewertung zum Einsatz. Die Arbeit sollte auch klären, ob und inwieweit das auf diesem Wege eingeholte Feedback eine herkömmliche Nutzerstudie ersetzen kann. Ergebnis war, dass das vorgestellte Verfahren die klassische Nutzerstudie nicht substituieren, aber für ausgewählte Testobjekte gut ergänzen kann. Das „UX Lab 2.0“ wird wohl seinen Weg in die kommerzielle Anwendung finden.

Mein Fazit zum „World Usability Day“

Der Event war von den Veranstaltern (UX-Experten – keine Eventprofis) gut organisiert und hatte durchweg Vorträge mit Substanz. Nach der Veranstaltung habe ich mir schließlich die Teilnehmerliste vom Münchner „World Usability Day“ angeschaut. Schon in der Eventarea fiel auf, dass ein außerordentlich junges Publikum teilnahm, aus Unternehmen, die zu einem großen Teil erst in den letzten 10-15 Jahren entstanden sind. Ist Usability kein Thema für „althergebrachte“ Firmen? Das müsste es eigentlich sein, aber man konnte bei der Veranstaltung den Eindruck gewinnen, dass Newcomer mehr denn traditionelle Unternehmen Usability als Differenzierungsfaktor für ihre Lösungen und Produkte entdeckt haben.

Übrigens: Wenn wir uns am „World Usability Day“ nicht persönlich gesehen haben – unsere Usability-Evangelistin Sabine Büchner oder mich erreichen Sie auch hier über den brightONE Blog.

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