Die „Testing Night“ zum Image des Testens

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Die Testing-Night im Münchner Hauptbahnhof

Die Organisatoren der „Testing Night“ in München haben offensichtlich ein Faible für ausgefallene Veranstaltungsorte. Frühere Ausgaben des Events fanden auch schon in einem Theater statt, in dem ansonsten Travestieshows zur Aufführung kommen. Die aktuelle Ausgabe der „Testing Night“ vom 23. April 2015 ging inmitten des Münchner Hauptbahnhofs über die Bühne. Dabei waren aufgrund des Lokführerstreiks Halle und Bahnsteige weitgehend entvölkert.

Außergewöhnlich war auch das Thema dieser „Testing Night“. Es ging nicht um Technik- oder Fachfragen aus dem Bereich des Testens. Die Überschrift der Veranstaltung lautete vielmehr: „Image des Testens – Quo Vadis?“ Die Wahl dieses Themas lässt vermuten, dass das „Image des Testen“ Anlass zur Sorge geben könnte. Die beiden Hauptvorträge sprachen jedoch eine andere Sprache.

Dr. Dominik Fisch von BMW beschrieb in seinem Vortrag „Nur die Besten testen – Herausforderungen eines Embedded SW-Testers“  die Aufgaben von Testern in den unterschiedlichen Testebenen bis zur Freigabe eines Fahrzeugs. Neben der richtigen „Test-to-break“-Einstellung ist dabei das umfangreiche Systemwissen des Testers unabdingbar, welches wesentlich weiter reicht, als bei einem SW-Entwickler. Bei einem Automobilhersteller wie BMW gibt es am positiven Image des Testens und des Testers keine Zweifel.

Dagmar Mathes von XING überschrieb ihren Vortrag mit dem Titel „Was vom Tester übrig bleibt“. Die Vortragende schilderte, wie grundlegend sich im Rahmen der Umstellung auf agile SW-Entwicklung die Rollenbeschreibung der Tester verändert hat. Der agile Tester ist in ihrem Hause in Personalunion mindestens auch noch Testcoach, Testconsultant und Qualitätsmanager. Ist der Product Owner nicht im Hause, dann wird der Tester ferner zur ersten Anlaufstelle zu Systemfragen. In der Konsequenz sind die QA-Mitarbeiter auch mit vergleichbaren Gehältern ausgestattet wie Entwickler. An sie werden jedoch auch ähnlich hohe Anforderungen gestellt, was auch Softskills wie z.B. die Kommunikationsfähigkeit angeht. Plakative Aussage dazu: „Wir achten bei Neueinstellungen von Testern darauf, ob ein Bewerber auch den Mund aufbekommt!“

Wirklich kein Imageschaden?

Aufgrund dieser beiden Hauptvorträge der „Testing Night“ könnte man auf eitel Sonnenschein bezüglich des Images des Testens schließen. Allerdings: Die nachfolgenden Kurzbeiträge und Diskussionsstatements – nach dem offiziellen Ende schließlich auch beim Imbiss in kleinen Gruppen – relativierten den Eindruck. Erwähnt wurde u.a., dass das Gehalt von Entwicklern typischerweise 25% über dem von Testern liegt. 8 von 10 Studenten einschlägiger Studiengänge würden Herausforderungen in der Entwicklung suchen, nicht jedoch im Testen. In mancher Organisation sollen Tester gar dafür verantwortlich gemacht werden, wenn ein geplanter Auslieferungstermin platzt, weil sie zu viele Fehler finden.

Alexander Hofmann von MaibornWolff mahnte eindringlich eine Veränderung der Nomenklatur an: Testen müsse klar als Ingenieursdisziplin positioniert werden, und der Tester solle sich als Testingenieur präsentieren. Außerdem solle die Tätigkeitsbeschreibung für den Tester nicht darin bestehen, dass er testet, sondern vielmehr dass er sich darum kümmert, dass Software funktioniert.

Fazit?

Was nehme ich von der Veranstaltung mit? In einer Branche wie der Automobilindustrie gelten besondere Spielregeln. Qualität und Sicherheit haben hohe Priorität, und zwar tatsächlich, nicht nur in einer werblichen Darstellung. Der Stellenwert des Testens ergibt sich fast automatisch. Glücklich sei, wer dort testet.

Und ansonsten? Ich denke, dass das Image von Testern besser ist, als es bisweilen der Selbstwahrnehmung entspricht. Schließlich hat jeder es auch in der Hand, sein Image zu verbessern. Dabei muss mancher Tester aber auch bereit sein, mehr Verantwortung zu übernehmen. Die Zeit ist günstig: Insbesondere bei agilen Projekten ergeben sich durch modifizierte Rollen neue Chancen.

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