Test-Konferenzen 2014 – Ein Rückblick

SpeakerAls Solution Consultant für unser Testing Productivity Portfolio hatte ich dieses Jahr die Gelegenheit an drei ausgewählten Veranstaltungen teilzunehmen und brightONE zu vertreten, als Teilnehmer aber auch als Test-Experte an unserem Stand.

Zum einen die Iqnite in Düsseldorf – die Konferenz für Software-Qualität und Testen – welche nach eigener Aussage dieses Jahr 400 Teilnehmer aus ganz Europa angezogen hat. Zum anderen der German Testing Day in Berlin – die unabhängige Konferenz zu Software-Qualität – mit knapp 200 Teilnehmern und der Vorabend-Veranstaltung German Testing Night zum Thema „Software-Qualität mit anderen Augen sehen.“ Und zu guter Letzt die UCAAT (User Conference on Advanced Automated Testing) in München mit dem speziellen Fokus auf Testautomatisierung und dem Motto „Von Nutzern für Nutzer“. Allen drei Konferenzen war das Format gemein. Es gab Tutorials, Präsentationen und eine begleitende Ausstellung auf welcher sich die Partner-Unternehmen präsentierten.

Allseits dominierende Themen waren Agilität und modellbasiertes Testen (MBT).

Agil ist Mainstream!

Neben weiteren Vorträgen auf der Iqnite, die sich der Nutzung agiler Methoden in der Softwareentwicklung und dem Test widmeten, möchte ich zwei besonders hervorheben. Zum einen „Agile Transformation von Organisationen – Erfahrungen aus der Software- und Produktentwicklung“ von Christopher Brezlan, AGFA Healtcare und „Von der traditionellen Testabteilung zu agilen Teams – ein Reisebericht“ von Frank Bieser, Österreichische Lotterien.

Häufig zitierte Gründe für die Notwendigkeit einer solchen Transformation sind späte und unvollständige Auslieferung, Nichterfüllung der Qualitätskriterien, unzureichende Kommunikation der Beteiligten und schlussendlich unzufriedene Kunden. „Weiche“ Ziele wie das Herbeiführen einer Änderung der Denkweise („Ich programmiere. Und Du?“), eine Fokussierung aus das große Ganze und ein kollektives Verantwortungsbewusstsein muss durch „harte“ Maßnahmen – hauptsächlich durch Veränderung der Organisationsstruktur – der Weg bereitet werden.

Teamorganisation orientiert sich am Produkt und nicht an den Gewerken. Dies führt zu funktionsübergreifenden Teams mit (dem Ziel) geringer Fluktuation. Im Idealfall sind diese an einem Standort vereint (co-located). Diverse klassische Projektmanagement-Aufgaben gehen auf Scrum Master und Product Owner über. Das Linienmanagement wandelt sich von einer Kommandozentrale zum Förderer der Selbstorganisation. Operative Aufgaben gehen in den Scrum Teams auf. Für Scrum Master und Product Owner sind neue Tätigkeitsprofile und individuelle Ziele zu definieren um sie von herkömmlichen Tätigkeiten abzugrenzen.

Um der Größe der Organisation gerecht zu werden (hier: AGFA Healthcare) wurden mehrere Scrum Teams für die verschiedenen Module geschaffen. Die Synchronisation der Sprints übernimmt ein heartbeat genannter Mechanismus. Alle Mitarbeiter sind zudem rollenspezifischen, virtuellen Teams zugeordnet auf deren Grundlage der Erfahrungsaustausch stattfindet. Übergeordnete Steuerungsaufgaben werden weiterhin traditionell durch Projekt- und Linienmanager wahrgenommen.

Agile Methoden wie Scrum, Kanban und Scrum-ban sind seit Langem den Kinderstuben in den hippen Start-Up Unternehmen entwachsen und im Mainstream angekommen und werden dort erfolgreich eingesetzt!

Modellbasiertes Testen – endlich im Projekt angekommen?

Auf der UCAAT konnte man sich MBT kaum entziehen, lag doch der spezielle Fokus dieser Konferenz auf Testautomatisierung (mit TTCN-3 und MBT). Alle Präsentationen (gefühlt) hatten MBT zum Thema und alle Aussteller (persönlich verifiziert) hatten Werkzeuge oder Dienstleistungen um MBT im Angebot – brightONE nicht ausgenommen. Was macht dieses, in der schnelllebigen IT-Branche durchaus als antiquiert zu bezeichnendes Testkonzept gerade heute so interessant? Eine kurze Recherche führt nämlich u.a. den Artikel Apfelbaum, „Model Based Testing“ aus dem Jahre 1997 zutage.

Die Vorträge kann man grob vereinfacht in drei Kategorien einteilen. Machbarkeitsstudien: Universitäten und durch Forschungsgelder finanzierte Konsortien berichten über ihre Erfahrungen bei der Anwendung von MBT. Einen besonders positiven Eindruck hat die Präsentation vom durch den FUI finanzierten COVADEC-Projekt hinterlassen. Laurent Rafaelli, All4Tec und Xavier Rouah, Intempora berichteten in ihrem Vortrag mit dem Titel „Model-Based Testing and Test Automation applied to Advanced Driver Assistance System [ADAS] Validation“ über ihre Erkenntnisse beim Einsatz von MBT für den Test eines ADAS Systems. Finale Ergebnisse werden für den September 2016 in Aussicht gestellt.

Erfolgsgeschichten dominieren. Auch wir waren mit einer solchen am Start. Simone Krämer, brightONE und Jani Koivulainen, Conformiq haben nachgewiesen, dass sich MBT und agile Software-Entwicklung ideal ergänzen. Ihr Vortrag trug den Titel „Deploying MBT-based Test Automation in an Agile Development Project for Financial Industry“. Vortrags-Highlight der UCAAT und zu Recht als „Best Presentation“ geehrt war „Model Based Testing of a Game Engine“, Marek Turski, Unity Technologies. Angekündigt von Kristian Karl, Test-Manager bei Spotify und einer der GraphWalker Macher, beschrieb Marek eindrücklich die Vorzüge ihrer Mono/.NET Portierung gegenüber konkurrierenden (nicht-kommerziellen) MBT Werkzeugen.

Zumindest kritische Stimmen gegenüber dem generellen Einsatz von MBT findet man seltener. Bereits auf der UCAAT 2013 in Paris wies jedoch Chan Chaiyochlarb von Microsoft darauf hin MBT mit Bedacht einzusetzen, Zitat: „Resist the temptation to use MBT for everything.“ Dieser Erkenntnis geht, wenn man die Reise alleine antritt, ein langer Irrweg voraus, den auch wir als brightONE bestritten haben. Dr. Rene Biewald, seines Zeichens Abteilungsleiter Test-Automatisierung, hat unsere Erkenntnisse in seinem Vortrag „A Structured Approach to Identify the Best Fitting Test Automation Solution for a Specific Project“ zusammengefasst. Die Essenz ist ein Kriterienkatalog mit dessen Hilfe man entscheiden kann, ob Testautomatisierung, MBT und wenn ja welches Modellierungs-Konzept (state-charts, process diagrams, data driven) für das jeweilige Projekt am erfolgversprechendsten ist. Eingegangen wird neben technischen Aspekten auch explizit auf die Wirtschaftlichkeit.

Persönlich bin ich überzeugt, dass beim Einsatz einer geeigneten Testautomatisierungs-Methode bzw. Modellierungstechnik immer eine Steigerung der Test-Produktivität erreichbar ist. Einer Entscheidung über den Einsatz neuer Methoden und Werkzeuge sollte jedoch immer eine individuelle ganzheitliche Beratung vorausgehen. Es gibt nicht das Allheilmittel! Lassen Sie Ihre Testprozesse, Methoden, Werkzeuge, usw. von einer neutralen Instanz unter die Lupe nehmen.

Eines ist sicher: Agile Entwicklungs- und Testmethoden sowie MBT werden uns auch 2015 begleiten. Ich würde mich freuen, Sie nächstes Jahr bei der einen oder anderen Veranstaltung begrüßen zu dürfen und verbleibe mit freundlichen Grüßen.

PS: Alle Präsentationen von der UCAAT 2014 sind frei zugänglich.

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