Farbfehlsichtigkeit und Webseiten

Haben Sie schon einmal von Deuteranomalie, Protanomalie oder Monochromasie gehört? Diese Begriffe kommen vorwiegend im Sprachschatz von Augenärzten vor und bezeichnen unterschiedliche Ausprägungen der Farbfehlsichtigkeit. Den meisten Testexperten sind diese Begriffe jedoch eher fremd.

Auf Farbfehlsichtigkeit getestet

FarbfehlsichtigkeitstestFür die Anfertigung einer neuen Brille unterzog ich mich vor einigen Tagen einem Sehtest. Dabei wurde auch das Erkennnen von Farben anhand verschiedener Tafeln mit farbigen Ziffern und Figuren überprüft. Falls Sie solch einen Farberkennungstest noch nicht gemacht haben, finden Sie einen entsprechenden Check beispielsweise hier. Ich kann zum Glück die Farbskala gut erkennen, aber immerhin rund 5% der Bevölkerung hat eine Farbfehlsichtigkeit. Bei diesem Personenkreis sind auf der Netzhaut einer oder mehrere der im Normalfall drei Farbrezeptoren für rot, grün oder blau beeinträchtigt oder fehlen ganz. Leider wird dieser „Defekt“ nach den genetischen Vererbungsmechanismen an die Kinder bzw. Enkelkinder weitergegeben. Dabei ist das männliche Geschlecht rund zehnmal mehr betroffen als das weibliche. Am häufigsten verbreitet ist übrigens die Schwäche rot und grün nicht richtig unterscheiden zu können.

Usability-Aspekte

Was hat dies nun mit Testen zu tun? Die Aspekt der Usability entwickelt sich seit Jahren kontinuierlich zu einer immer wichtigeren Disziplin bei Designern und auch Testern. Zur Bewertung der Benutzerfreundlichkeit von Applikationen oder Webportalen gehören üblicherweise auch Kriterien wie Farbgebung und Kontrast. Eine meiner Kolleginnen (ihres Zeichens „Certified Professional for Usability Engineering“) beschäftigt sich auch mit der Thematik der Barrierefreiheit. Dies umfasst u.a. die Fragestellung, wie Webseiten von Personen mit Farbfehlsichtigkeit wahrgenommen werden. Dazu werden Bildschirminhalte mittels unterschiedlicher Farbfilter so manipuliert, wie sie Betrachtern mit Farbfehlsichtigkeiten erscheinen würden. Ergebnis: Manch peppiges Webangebot zeigt sich dann als für den betroffenen Personenkreis schlecht wahrnehmbar.

Konsequenzen

Die Farbfehlsichtigkeit ist wie oben geschildert genetisch bedingt. Die Betroffenen müssen sich von der Geburt bis zum Lebensende mit diesem Manko herumschlagen. Leider gibt es keine Aussicht auf Heilung. Aber immerhin lassen sich Webseiten so gestalten, dass Menschen trotz Farbfehlsichtigkeit gut damit umgehen können. Die oben erwähnten 5% der Bevölkerung sind in Deutschland rund 4 Mio. Menschen mit Farbfehlsichtigkeit. Haben Sie schon einmal getestet, wie diese Personen Ihre Webpräsenz im wahrsten Sinne des Wortes sehen?

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