Modellbasiertes Testen – kein Hokuspokus!

Es besteht weitgehender Konsens, dass Zauberer wie David Copperfield oder Hans Klok nicht wirklich zaubern können. Wenn sie auf der Bühne Tiger und Elefanten erscheinen lassen, dann ist dies das Ergebnis raffiniert eingesetzter doppelter Böden und schwarzer Tücher. Was hat das jetzt aber mit Testing zu tun? Nun ja – wenn vom modellbasierten Testen die Rede ist, mag man heute den Eindruck bekommen, dass es sich um Hokuspokus handelt – lassen sich doch angeblich die Aufwände für die Erstellung von Testfällen deutlich reduzieren. Was steckt dahinter – Showeffekt mit doppeltem Boden oder real anwendbare Innovation?Auf der kürzlich in Tallinn durch die ETSI ausgerichteten „Model based testing User Conference“ gab es eine klare Botschaft: MBT ist kein vermeintlicher Hokuspokus und inzwischen auch dem Stadium des Forschungsvorhabens im Elfenbeinturm entwachsen. MBT kann tatsächlich helfen, Testaufwände deutlich zu vermindern.

Die Mehrzahl der teilnehmenden „User“ an der Konferenz stammte auch nicht von Universitäten und forschungsnahen Einrichtungen, sondern aus dem Bereich der kommerziellen Anwendung. Vertreter namhafter Unternehmen referierten über den erfolgreichen Einsatz von MBT in der industriellen Praxis. Die Vorträge der Konferenz lassen sich übrigens bei dem Veranstalter direkt herunterladen.

MBT hat drei wichtige Ingredienzen: Anstelle jeden Testfall einzeln zu kodieren, entsteht bei MBT im ersten Step ein Testmodell für das zu testende System. Der Tester beschreibt nicht mehr jeden einzelnen Testschritt, sondern erstellt auf einer abstrakteren Ebene dieses Testmodell. Für viele Tester ist das Vorgehen neu, und mancher mag sich durchaus in der ungewohnten Rolle eines Zauberlehrlings wiederfinden. Der zweite wichtige Bestandteil ist der Zauberstab – also das Toolkit, das aus dem Modell ablauffähige Testfälle erzeugt. Hier bieten Toolhersteller inzwischen recht praktikable Lösungen an, was sowohl das Modellierungsinterface angeht, als auch die Kriterien und Algorithmen zur Generierung der Testfälle. Um Spass bei der Arbeit zu haben sollte man aber vor einer gut ausgestatteten High-End-Workstation sitzen! Dritter Bestandteil ist schließlich der bei Testautomatisierern wohlbekannte Test Harness, mit dessen Hilfe die generierten Testcases automatisiert ausgeführt werden.

Der wirkliche Charme von MBT zeigt sich beim Testen von Lösungen, die immer wieder fortentwickelt und dann getestet werden müssen. Ohne MBT quält sich der Testfallentwickler dann oft durch die rasant steigende Anzahl der Features mit immer größeren Abhängigkeiten. Mit geschickt gebauten Testmodellen lassen sich neue Features recht einfach einfangen, und den Rest erledigt der Zauberstab vergleichbar einfach auf Knopfdruck… ohne Hokuspokus.

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