Ist Testen eine minderwertige Tätigkeit?

Ich bin häufig an Diskussionen beteiligt, wo der Wert des Testens angezweifelt wird – sehr kurz nach einer solchen Äußerung wird dann über entsprechend niedrige Tagessätze gesprochen 🙂

Häufige Argumente für die Abwertung des Testens sind die vermeintlich fehlende Wertschöpfung im Vergleich zur Entwicklung von Software, sich wiederholende (Routine-)Tätigkeiten und vermeintlich nicht erforderliche Qualifikationen.

Sind das Tatsachen, die man besser unkommentiert im Raum stehen läßt oder gar bejaht?

Ein Fakt ist sicherlich, daß durch Testen oder Qualitätssicherung keine neuen Arbeitsprodukte entstehen, die aus Endbenutzer-Sicht Teil der ursprünglich angedachten Wertschöpfung wie beispielsweise einer Sofware-Anwendung sind. Kein Endbenutzer will Testreports lesen oder die Kurve der offenen Fehler sehen. Andererseits sind diese Endbenutzer in der Regel überhaupt nicht gewillt Verständnis für Fehler in Software-Anwendugen zu zeigen.

Wiederholende (Routine-)Tätigkeiten sind eine klare Indikation für manuelle und möglicherweise uninspirierte  Tests. Diese sind sicherlich bis zu einem gewissen Grade unvermeidbar, allerdings kommt der volle Wert der Qualitätssicherung erst beim Erstellen von automatischen Tests zum Tragen. Das Arbeitsprodukt ist dann auch besser greifbar und der Wert eines über Nacht laufenden automatischen Tests ist einfach vermittelbar.

Gerade für das Erstellen von Scripten für automatisierte Tests  sind Qualifikationen notwendig, die denen der Entwicklung in nichts nachstehen – schließlich sollen hier ja auch Denkfehler oder übersehene Rahmenbedingungen gefunden werden, die der Entwickler nicht erfasst hatte.

Für mich ist aber der ultimative Mehrwert eines guten System- oder Abnahmetests wenn engagierte Tester Requirements entdecken, die fehlen, die sich widersprechen oder die in minderwertiger Weise umgesetzt wurden und die Customer-Experience deutlich verschlechtern. Und das ist in vielen Projekten kein exotischer Sonderfall, sondern Realität daß Produkte erst in der späten Phase des Systemtests gesund getestet werden.

Hier entsteht dann auf einmal ein ganz anderes Bild des Testens – die Transformation von nicht verkaufbarem binärem Rohmaterial in ein verkaufbares Arbeitsprodukt mit validierten Business-Requirements.

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