Warum ich Facebook hasse und Sie es lieben lernen sollten

Facebook lieben oder hassen

Buzzfeed erklärt den Link für tot und will künftige seine Inhalte direkt auf den großen Social-Media-Plattformen anbieten anstatt nur von dort aus zu verlinken. Sogenannter „selbstbestimmter Journalismus“ scheint ebenfalls am Imperium Facebook nicht vorbei zu kommen. Facebook kommt dem erklärten Ziel, ein eigenes Web im Web zu bauen, immer näher. Und mir wird schlecht.

Zuerst kam die Erkenntnis, dass es nicht mehr reicht, einfach eine gute Webseite zu haben. Man schrieb für den Google-Algorithmus und nennt es Suchmaschinenoptimierung – die Bösen setzten sich dafür einen schwarzen Hut auf und versuchten zu tricksen. Irgendwann wurde den ersten klar: das kann es doch wohl nicht sein. Schreibe ich für Menschen oder für eine Maschine? Also ab in die sozialen Medien, den direkten Kontakt mit den Fans aufnehmen!

Dann kam die nächste Ernüchterung. Irgendwie schien die Gnade von Facebook ungleich verteilt zu sein. Man nennt es die optimierte Timeline – für die es auch valide Gründe gibt: Datenverschmutzung. Auch hier kann man Vermutungen darüber anstellen, was den eigenen Content besser ins Blickfeld der Wunschleser rücken lässt. Wissen kann man es nicht. Die Optimisten unter den Autoren meinen, dass es halt einfach guter und relevanter Content sein muss.

Mich. Nervt. Das.

Aber so ist der Gang der Dinge, und er geht noch weiter. Facebook genügt es nicht mehr, nur Verweise auf Inhalte zu verteilen. Zuckerberg will den Content direkt in Facebook haben. Als erstes bekam das Youtube zu spüren. Die Facebook-eigenen Videos werden durch verschiedenste Mittel bevorzugt. Jetzt geht es an die restlichen Medieninhalte.

Es funktioniert bereits.

Jürgen Todenhöfer, der Ex-Politiker, Aktivist und Buchautor, wird in diesem Artikel bei LousyPennies als Beispiel angeführt. 375.000 Fans, die Posts haben den inzhaltlichen Umfang von Artikel. Ein einzelnes Video wurde bereits fünf Millionen mal aufgerufen:

„Hier gibt es also eine Medienmarke (Todenhöfer), die professionellen Video-, Bild- und Text-Content (fast) ausschließlich für Facebook produziert und mit jedem einzelnen Beitrag vermutlich mehr Menschen erreicht, als Richard Gutjahr in den Spätnachrichten des Bayerischen Rundfunks. Was Todenhöfer postet, wird in breiten Schichten der Gesellschaft diskutiert, seine Inhalte schaffen es ins Fernsehen, die Nachrichten und andere Leitmedien.

Gibt es für das, was aus Todenhöfers Facebookseite inzwischen geworden ist, eine andere Definition als das Wort Massenmedium? Für mich nicht.“

Das ist die journalistische Sicht. Unternehmen geht es eher um Content Marketing. Die Regeln sind aber ähnlich.

Auf der ersten Welle der Begeisterung hatten einzelne Unternehmen bereits ihre Webpräsenz komplett nach Facebook verlegt – und das relativ schnell wieder rückgängig gemacht. Die zweite Welle könnte erfolgreicher werden. Falls sich das bewahrheitet, was Karsten Lohmeyer in seinem Artikel skizziert: wenn Facebook die Werbeeinnahmen mit den Inhaltelieferanten teilt – so wie es Youtube bereits heute tut.

Allerdings will kein Unternehmen bei den eigenen Inhalten Werbung der Konkurrenz sehen. Das Sponsoring von Blogs bzw. unabhängigeren Content-Lieferanten durch Unternehmen scheint ein besseres Mittel zu sein, und ist glaubwürdiger.

Es wird spannend sein zu sehen, wie Facebook diese Balance durch sein Geschäftsmodell hinbekommen will.

Content und Dialog

Dem Publishing von kompletten Inhalten in den sozialen Netzwerken (hier: Facebook, andere werden sicherlich folgen) wird also wichtiger werden. Unternehmen sollten nicht nur auf ein einziges Pferd setzen. Herr Todenhöfer z. B. veröffentlicht die gleichen Inhalte auch auf seiner Webseite. Das empfehle ich jedem zu tun.

Social Media lebt vom Teilen und dem Dialog. Mit größerer Reichweite und einfacher Interaktionsmöglichkeiten wird auch das Volumen an Kommentaren etc. steigen und damit die Notwendigkeit von Social CRM – über mehrere Plattformen hinweg.

Publishing und Dialog gehören enger zusammengeführt. Nicht nur die Dialog, auch die die Veröffentlichung der Inhalte müssen einfach und zentral über mehrere Plattformen verwaltet werden können. Schon heute sehen wir ein großes Interesse an der Publishing-Komponente von SocialCom, die eben das leistet. Content-Marketing funktioniert besser, wenn es mit dem Dialog Hand-in-Hand geht.

Fazit

Facebook baut das Web im Web, Google bewacht den Zugang zum Rest. Auf absehbare Zeit wird sich das nicht ändern. Unternehmen haben keine Wahl, sie müssen schauen, wie sie die neuen Bedingungen für sich nutzen. Die Chance? Sehr gute Reichweite und aktive Nutzer. Die Inhalte (nicht nur Verweise) per Knopfdruck auf den verschiedenen sozialen Plattformen gleichzeitig zu veröffentlichen wird zukünftig eine wichtige Rolle spielen.

Das ideale Social CMS (Content-Management-System) passt die Inhalte automatisch den verschiedenen Rahmenbedingungen an (z. B. Gewichtung von Bild und Text). Für die daraus entstehenden Dialoge gibt es Social CRM. Beide hängen eng zusammen – am Tropf von Facebook. Das gilt es lieben zu lernen. Selbst wenn es eine Hassliebe ist.

Frage: Wie sehen Sie die Entwicklung bei Facebook und was für Entscheidungen leiten Sie daraus ab?

Bildnachweis: gratisography

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