Youtube Data API: Vom Kampf mit den Schnittstellen

Vom Kampf mit den Schnittstellen (Bild: Gratisography)Unsere Social-Media-Management-Software SocialCom verwendet Programmierschnittstellen (APIs) zu den bekannten Social-Media-Plattformen, um es Unternehmen einfacher zu machen, Inhalte und Dialoge zu verwalten.

Am 20. April schaltet Google die Version 2.0 der Youtube Data API ab, bevor über die neue API Version 3.0 Kommentare im Zugriff sind. Circa 12 Monate lang war die Situation vollkommen ungeklärt und über die offiziellen Kanäle nichts zu erfahren. Quasi im letzten Augenblick konnten wir herausfinden, wie kritisch das für uns und unsere Kunden wirklich ist.

Warum überhaupt eine API?

Für die Administration von ein paar Dutzend Kommentare sind die Weboberflächen von Youtube ausreichend. Unternehmen, die ihre Präsenz in den sozialen Medien ernst nehmen, verwenden allerdings spezialisierte Anwendungen, mit denen mehrere Mitarbeiter parallel, strukturiert und schneller arbeiten können. Diese Anwendungen sind auf die Programmierschnittstelle des jeweiligen sozialen Netzwerks angewiesen, um schnell genug und mit mehreren Mitarbeitern auf hunderte oder tausende Kommentare zu einem Post zugreifen zu können.

Unklare Informationspolitik

Ab dem 20. April 2015 wird die Youtube Data API V2.0 nicht mehr unterstützt und kurz danach abgeschaltet. Anfragen von Entwicklern bei Google Code zum Status von Kommentaren blieben unbeantwortet und der Zugang zum Trusted-Tester-Programm, der einzigen Möglichkeit gegen die Entwicklungsversion neuer APIs testen zu können, steht nicht jedem offen.

Das blieb sehr lange so.

Durch konzertierte Kommunikation mit Google konnten wir doch etwas bewegen (*) und folgendes vom Chefentwickler der Youtube Data API erfahren (hier im Kommentarbereich):

„In general v2 will be turned down, so we would like to see developers migrate to v3 for all existing features asap. But for features like „comments“, which their v3 counterpart is not launched yet, v2 version of them will still be working for a grace period after their v3 counterpart is fully launched.“

d. h. die in Migration befindlichen Funktionen, zu denen auch Kommentare gehören, werden nicht von der Abschaltung betroffen sein. Ich war nicht der erste, der diese Frage explizit gestellt hat, Antworten gab es bis dahin keine (zum Beispiel in den Kommentaren des ursprünglichen Blogartikels)

Bis zu dieser Äußerung vom 19.3.2015 mussten wir und andere Softwareunternehmen davon ausgehen, dass die Version 2.0 komplett abgeschaltet wird, bevor die Version 3.0 alle wichtigen Funktionen beinhaltet. Wann das der Fall sein wird, ist zwar immer noch nicht bekannt, es ist aber auch weniger kritisch. Es gibt ein Übergangsszenario.

Google ist kein Einzelfall

Unklar, zu spät oder gar nicht angekündigte Änderungen an den APIs sind leider keine Ausnahme – egal bei welcher Plattform. Keine der großen Social-Media-Plattformen macht es Softwareanbietern wie uns sonderlich leicht. Damit umgehen zu können, ist Teil unseres Mehrwertes.

Das sind allerdings nur oberflächlich betrachtet technische Herausforderungen.

Twitter: neue Interessen, neue Schnittstellen

Jean Burgess und Axel Bruns haben 2012 in diesem Artikel am Beispiel Twitter aufgezeigt, welchen Einfluss Veränderungen im Geschäftsmodell von Twitter auf deren APIs hatte:

„The specifications of Twitter’s API, as well as the written guidelines for its use by developers (Twitter, “Developer Rules”) are an excellent example of these “technological adjustments” and the ways they are deeply interwined with Twitter’s search for a viable revenue model.

[…]

In essence, the result of these changes to the Twitter API rules, announced without meaningful consultation with the developer community which created the Twitter ecosystem, is a forced rebalancing of development activities: on the one hand, Twitter is explicitly seeking to “limit” (Sippey) the further development of API-based third-party tools which support “consumer engagement activities” (such as end-user clients), in order to boost the use of its own end-user interfaces; on the other hand, it aims to “encourage” the further development of “consumer analytics” and “business analytics” as well as “business engagement” tools.

Und das war 2012, Tweetdeck ist inzwischen von Twitter gekauft worden, das Geschäftsmodell ist weiterhin „in Bewegung“. Werbung ist kein Tabu mehr.

Twitter hat sich mit der Hilfe der Entwickler und der Benutzer weiterentwickeln können – z. B. durch die nicht mehr weg zu denkenden Hashtags (siehe diesen Artikel), die keine Idee von Twitter selber waren. Deswegen war es besonders enttäuschend für viele Entwickler, vor den Änderungen der API nicht gefragt worden zu sein. Sie waren es, die mithilfe der verfügbaren Schnittstellen eine erstaunliche Vielfalt an kreativen Einsatzszenarien fanden und Twitter populär gemacht haben.

Google Plus: Zukunft ungewiss, aber mit Kommentaren in Youtube verwoben

Die gewünschte Relevanz gegenüber Facebook hat Google+ nicht aufbauen können. Google macht es Entwicklern schwer, diese Plattform per API anzusprechen, da sich vor dem Zugang zur Google+ Pages API ein Antragsformular befindet und eine positive Antwort längst nicht selbstverständlich ist.

Die Kommentare und Antworten in Youtube sind seit der Umstellung auf das neue Kommentarsystem im Jahr 2013 mit Google+ verwoben. Schon heute sind die APIs von Google+ Pages und von Youtube nötig, um alle Kommentare einsehen und beantworten zu können. Natürlich wäre es einfacher für die Softwareentwicklung, eine einheitliche API zu haben. Es ist unklar, was Google motiviert, diese Schlucht aufrecht zu erhalten. Das werden wir vermutlich in ein bis zwei Jahren besser verstehen.

Resümee

Ohne Softwarehersteller wie uns sind Unternehmen kaum in der Lage, effektiv in den sozialen Medien unterwegs zu sein. Wir sind dadurch Teil der Wertschöpfung der großen Social-Media-Plattformen. Wir erhöhen deren Mehrwert für Unternehmen, sichern deren Investition in Marketing und Kommunikation.

Weil es uns wichtig ist.

(*) Vielen Dank an den Youtube Partner Technology Manager!

Bildnachweis: gratisography

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