Social Media in der Energiewirtschaft: geht da was?

Underdog Energiewirtschaft

Branchen wie Technologie & IT werden als „Champions“ in Social Media gehandelt, Banken und Telekommunikation sind als „Enabler“ im Social Media Maturity Modell des Social Media Excellence Kreises angesehen – und was ist mit der Energiewirtschaft? Meine Webrecherche bringt Inhalte und Rankings aus dem Jahr 2012 zutage. Die Frage, ob da heute „Musik“ drin ist, scheint mehr als berechtigt.

Die Antwort ist ein klares „Ja“ – man muss nur genauer hinschauen. Und sollte zum Fachkongress „Social Media für die Energiewirtschaft nach Leipzig gehen.

Im Jahr 2012 hat Keylens die Studie „Energieversorger im Netz“ veröffentlicht (Link) und die Fans und Kommentare von Facebook Pages gerankt:

EVUs in Facebook - Grafik aus "20120206 KEYLENS Digital Strategy für EVU-V004"

Eine ähnliche Erhebung liegt meines Wissens für eines der nachfolgenden Jahre nicht vor. Eine Möglichkeit, zu einer ähnlichen Auflistung zu kommen, bietet LikeAlyzer.

Likealyzer-Utilities-GER-2015-1

(hier sortiert nach Anzahl der Likes)

Es fällt sofort auf, insbesondere wenn man sich die komplette Liste (*) anschaut, dass die Größe des Unternehmens nichts über die Anzahl oder Aktivität der Fans aussagt. Zwischen BP und Yello Strom bzw. RWE Intelligente Energie haben sich zum Beispiel die Stadtwerke München platzieren können und stehen mit knapp 49.000 relativ aktiven Fans gut da.

Lokale Präsenz als Vorteil

Die lokal verwurzelten Energieversorger sind die Champions ihrer Branche in Social Media – und nicht nur dort. Das zeigt sich insbesondere in den relativ hohen Werten der Engagement-Rate, d. h. dem Anteil der Fans, die teilen, kommentieren etc.:

Sehr gut scheint im Ziel- bzw. Dialogpublikum ein inhaltlicher Fokus auf erneuerbare Energien anzukommen (Lichtblick, Naturstrom) – was sich allerdings nur in der Anzahl der Fans, nicht in deren Engagement widerspiegelt. Gleiches trifft auf den überregionalen Anbieter Energiehoch3 zu.

Die Stadtwerke müssen sich auch nicht hinter der sonst so hoch gelobten Telekommunikationsbranche verstecken – die Engagement-Rate der dortigen Fans auf Facebook ist nicht höher, eher kleiner als bei den Besten in der Energiewirtschaft, z. B.:

Der sogenannte Like Rank von LikeAlyzer (siehe FAQ zur Erklärung) liegt für die Energiewirtschaft insgesamt auf einem höheren Niveau!

Social Media für die Energiewirtschaft – Teil der Digitalisierung im Unternehmen!?

… ist der Titel der Fachkonferenz der Energieforen am 3. und 4. Februar in Leipzig. Lokale Anbieter sind auf der Agenda sehr stark vertreten, die großen, überregionalen glänzen bis auf E.ON SE durch Abwesenheit:

  • Stadtwerke Düsseldorf: „Social Media Aktivitäten der Stadtwerke Düsseldorf – Chancen und Risiken für EVUs
  • Stadtwerke Bielefeld: „Guck mal, wer da spricht – Dialog als wichtigster Content
    in den sozialen Medien
  • Stadtwerke Osnabrück AG: „Der Weg zu einer gesamtheitlichen Social Media Strategie bei der Stadtwerke Osnabrück AG – Gesamtauftritt vs. Spartenauftritt
  • RheinEnergie AG: „Praxisbeispiel: Von innen nach außen mit voller Energie. Erfolgreiche Entwicklung und Integration einer Social-Media-Strategie bei der RheinEnergie
  • Stadtwerke Konstanz GmbH: „Ignorieren, blockieren, diskutieren? Möglichkeiten zum Umgang mit kritischen Kunden und „Shitstorms“ im Social Web. Ein Erfahrungsbericht der Stadtwerke Konstanz
  • Pfalzwerke AG: „Social Media als fester Bestandteil der Unternehmenskommunikation
  • Stadtwerke Rosenheim GmbH: „Digitalisierung der Unternehmenskommunikation – Mit welchen Content-Strategien werden Stadtwerke unabhängiger gegenüber einer print-fixierten Lokalpresse, die zusehends an Einfluss verliert? Was macht Versorger zu glaubwürdigen Erzähler ihrer eigenen Geschichten?

Mich überrascht das nicht.

Insbesondere der Titel des letztgenannten Vortrages der Stadtwerke Rosenheim AG bringt ein wichtiges Stichwort: Die lokale Presse.

Die lokalen Printmedien kämpfen sehr mit den neuen Bedingungen des Internets. Dadurch werden sie zu einem schwachen Partner für die lokalen EVUs.

Die Stadtwerke sind in der Regel eine präsente, starke Marke bei den Bürgern. Ohne eine Tageszeitung wirklich ersetzen zu können, bietet sich ihnen die Möglichkeit, ihre Inhalte mit lokalen Themen anzureichern. Sie können sich lokal engagieren und zusätzlich in Blogartikeln und Social Media in ihren Kernthemen aufklären – ohne penetrant Werbung machen zu müssen.

Stadtwerke sind lokal verwurzelt.

Das verschafft ihnen einen Glaubwürdigkeitsvorsprung gegenüber im Zweifelsfall billigeren überregionalen Anbietern, den sie durch Aktivitäten in Social Media ausbauen können (und es offensichtlich auch tun). Denn um was geht es sonst für Unternehmen in den sozialen Medien, wenn nicht um Glaubwürdigkeit?

Social Media Management – mehr als nur Marketing

Die Stadtwerke Bielefeld erkennen gemäß ihres Vortragstitels zurecht, dass der Dialog der wichtigste Content in den sozialen Medien ist. Unternehmen müssen dazu befähigt werden, diesen auch strukturiert, schnell und in hoher Qualität führen zu können.

Das ist das Thema des Vortrages „Erfahrungsbericht zur Integration von Social Media in das bestehende Contact Center“ meiner geschätzten Kollegin Anja Bonelli (zweiter Tag, 13:30 Uhr).

Denn bei dieser Anzahl von „Fans“ wird es nicht mit einer vereinzelten Beantwortung oder dem Zählen der „Likes“ einzelner Posts getan sein. Kundenserviceanfragen oder auch Beschwerden werden kommen und sollten schnell von befähigten Mitarbeitern bearbeitet werden können. Im Idealfall arbeiten Marketing und Kundenservice Hand in Hand.

Fazit

Ja, da geht was für die EVUs in den sozialen Medien. Sie stellen für lokale Anbieter eine Chance dar – die sie auch nutzen. In der Anzahl der Fans und dem Dialog mit Ihnen sind sie mehr als auf Augenhöhe mit den großen Anbietern – nicht nur der eigenen Branche. Die beeindruckenden Zahlen sprechen dafür, dass Social Media für diese Unternehmen längst mehr ist als nur eine Marketing-Einbahnstraße. Daraus ergibt sich als konsequenten nächsten Schritt eine skalierbare strukturierte Bearbeitung im Kundenservice. Für noch mehr Engagement mit und durch die Fans.

(*) um die Zahlen vergleichbar zu halten, habe ich die gelisteten Statistiken durch erneuten Aufruf aktualisiert. Die Liste der Facebook-Unternehmensseiten muss nicht komplett sein.

Bild: gratisography

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